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Deutsche Umwelthilfe schlägt Alarm: Berliner Luft vor Kindergärten stark mit Stickstoffdioxid belastet - Besonders schmutziger BMW-Diesel SUV X3 wurde mit US-Serienteilen wirksam nachgerüstet


Berlin (ots) - Deutsche Umwelthilfe hat im Rahmen ihrer Citizen Science Messaktion "Decke auf, wo Atmen krank macht" alarmierende Luftbelastungswerte des Dieselabgasgifts NO2 in Berlin rund um Kindergärten, Schulen, Arztpraxen und Pflegeheimen ermittelt - Mehr als jeder zweite Messort zeigt Überschreitung des Grenzwerts von 40 µg/m3 in der Luft - BMW X3 xDrive 20d wurde mit Serienteilen des Herstellers nachgerüstet und Abgaswerte vor und nach dem Umbau im Emissions-Kontroll-Institut der DUH ermittelt: Ergebnisse belegen eindrucksvolle Emissionsminderung und Machbarkeit der Nachrüstung durch vorhandene Bauteile des Herstellers - ZDF Magazin Frontal21 dokumentierte gestern Abend die erfolgreiche Nachrüstung

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) setzt ihre Messkampagne "Decke auf, wo Atmen krank macht" fort. Im Herbst 2018 hat die DUH an 47 Messorten in Berlin an oder in unmittelbarer Nähe von Kindergärten, Schulen, Arztpraxen, Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen die Belastung der Atemluft mit dem Dieselabgasgift Stickstoffdioxid (NO2) ermittelt. Gemessen wurde mittels Passivsammlern über einen Zeitraum von vier Wochen auf zwei Metern Höhe. Die Ergebnisse belegen wie stark belastet die Atemluft ausgerechnet dort ist, wo sich Kinder, Kranke und gesundheitlich vorbelastete Menschen aufhalten.

In der Messreihe weisen die Orte, an denen sich ältere Menschen häufig aufhalten, einen Durchschnittswert von 40,6 µg NO2/m³ auf. An oder in unmittelbarer Nähe von Arztpraxen oder Krankenhäusern wurde ein Durchschnittswert von 44,9 µg NO2/m3 gemessen, an Kitas und Schulen ein Durchschnittswert von 40,7 µg NO2/m3.

Die höchste Belastung wurde vor dem Eingang zu einem Kinderarzt am Kaiser-Wilhelm-Platz in Berlin-Schöneberg mit 57,4 µg NO2/m3 ermittelt. Ein weiterer sehr hoher Wert wurde an einer Kita in der Markstraße in Reinickendorf mit 52,7 µg NO2/m3 gemessen. Die Spitzenbelastung vor einem ambulanten Pflegedienst für ältere Menschen in Weißensee liegt bei 47,7 µg NO2/m3.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH erklärt: "Die Messungen zeigen, dass wir in Berlin ein flächendeckendes Problem mit dem Dieselabgasgift Stickstoffdioxid haben. Es ist angesichts von 250.000 Asthmatikern in Berlin - darunter 50.000 erkrankte Kinder - nicht akzeptabel, wenn sogar die Luft vor Schulen, Kitas und Pflegeheimen derart hoch mit dem Dieselabgasgift NO2 belastet ist. Das Verwaltungsgericht Berlin hat uns recht gegeben, dass bis Ende 2019 überall in der Bundeshauptstadt die Grenzwerte für Stickstoffdioxid eingehalten werden müssen. Diese Einhaltung werden wir auch durch begleitende Messungen sicherstellen."

Kinderarzt Christian Döring sagt: "Gerade Kinder sind besonders durch den Schadstoff Stickstoffdioxid in der Luft betroffen, vor allem in der Wachstumsphase, wenn ihre Abwehrkräfte noch nicht ausgebildet sind. Das Risiko für Atemnot ist bei kleineren Atemwegen deutlich erhöht. Sind Kinder der Belastung dauerhaft ausgesetzt, können sie bleibende Schäden davontragen. Die Gefährdung der Kinder beginnt bereits vor der Geburt, wenn die Mütter der schlechten Luft ausgesetzt sind. Der aktuelle Grenzwert von 40 µg/m3 für Stickstoffdioxid im Jahresmittel ist kein Schwellenwert; entgegen der aktuellen Vorschläge sollte dieser viel eher weiter heruntergesetzt als aufgeweicht werden. Der im Grundgesetz verankerte Schutz unserer Gesundheit muss ernst genommen werden."

Die Messergebnisse der DUH in Berlin belegen, wie dringend die Belastung der Atemluft verringert werden muss. Hardware-Nachrüstungen dreckiger Betrugs-Diesel sind eine dazu notwendige und dringende Maßnahme. Diese müssen von der Bundesregierung endlich für Diesel-Pkw der Eurostufe 5 und 6 verpflichtend und auf Kosten der Hersteller angeordnet werden.

Um die Machbarkeit und Wirksamkeit von Hardware-Nachrüstungen zu belegen, hat die DUH in ihrem Emissions-Kontroll-Institut (EKI) erneut ein Fahrzeug vor und nach einer Nachrüstung - diesmal mit bereits vorhandenen Serienteilen des Herstellers - auf der Straße getestet. Das Testfahrzeug war ein BMW X3 xDrive 20d, Erstzulassung Mai 2012, Eurostufe 5. Der Grenzwert für den Ausstoß von Stickoxid (NOX) bei dieser Abgasnorm beträgt 180 mg/km. Das Fahrzeug ist serienmäßig mit einem Dieselpartikelfilter ausgestattet. Das ZDF-Magazin Frontal21 dokumentierte gestern Abend die Nachrüstung dieses BMW-Diesel.

Die erste Messreihe erfolgte im Originalzustand des Fahrzeugs bei +9 bis +12 Grad Celsius. Der BMW wies einen durchschnittlichen NOX-Ausstoß von 846 mg /km aus. Anschließend wurde das Fahrzeug durch die Baumot Technologie GmbH mit einer SCR-Anlage mit Harnstoffeinspritzung nachgerüstet. Ein Großteil der nachgerüsteten Bauteile, wie auch der SCR-Katalysator, sind originale Serienbauteile der BMW AG, welche unter anderem bei Fahrzeugen für den US-Markt bereits verbaut werden.

Bei der Messreihe nach der Nachrüstung lagen die Außentemperaturen um den Nullpunkt. Daher nahm die DUH eine weitere Messung mit ausgeschalteter Harnstoffeindüsung vor, um die NOX-Rohemissionen des Fahrzeugs auch bei diesen Temperaturen abzubilden. Lagen die durchschnittlichen NOX-Emissionen vor der Umrüstung und Außentemperaturen von +9 bis +12 Grad Celsius bei durchschnittlich 846 mg/km, stiegen sie bei Temperaturen um den Nullpunkt - ohne Harnstoffzufuhr in den SCR-Kat - auf 1.348 mg NOx/km an. Dies veranschaulicht den Anstieg der NOx-Rohemissionen des Fahrzeugs bei sinkender Außentemperatur. Anschließend erfolgten zehn weitere Messungen mit Harnstoffeindüsung und somit aktiviertem SCR-Katalysator bei Temperauren von 0 bis +2 Grad Celsius. Dadurch konnten die NOx-Emissionen auf durchschnittlich 219 mg/km gesenkt werden.

Die nachgerüstete SCR-Anlage zeigt, wie auch bei niedrigen Außentemperaturen die NOX-Emissionen des BMW X3 mit Serienbauteilen von 1.348 mg/km auf 219 mg/km gesenkt werden können, was einer Minderungsrate von 84 Prozent entspricht.

"Vor dem Hintergrund der erschreckend hohen NOX-Emissionen dieses BMW-Fahrzeuges ist die Weigerung von BMW, sich an der Hardware-Nachrüstung zu beteiligen, eine Brüskierung ihrer Kunden, aber auch der Bundesregierung. Ein solches Verhalten ist völlig inakzeptabel. Aber noch unsinniger wird die Verweigerungshaltung durch die Tatsache, dass die Hardware-Nachrüstung fast vollständig mit Teilen aus dem BMW Ersatzteillager erfolgte. Bundeskanzlerin Merkel muss endlich auch BMW zum Einlenken bewegen", sagt Axel Friedrich, internationaler Verkehrsexperte.

Links:

- Übersicht DUH-Herbstmessungen Berlin: http://l.duh.de/p181212

- Messkarte mit allen verfügbaren NO2-Werten bundesweit: https://www.duh.de/abgasalarm/

- DUH-Testbericht BMW X3 xDrive 20d: http://l.duh.de/p181212

- Übersicht aller Messungen des EKI: http://l.duh.de/p181212

Pressekontakt: Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer 0171 3649170, resch@duh.de

Dr. Axel Friedrich, Internationaler Verkehrsexperte, Leiter Emissions-Kontroll-Institut 0157 71592163, axel.friedrich.berlin@gmail.com

DUH-Pressestelle:

Andrea Kuper, Ann-Kathrin Marggraf 030 2400867-20, presse@duh.de

www.duh.de, www.twitter.com/umwelthilfe, www.facebook.com/umwelthilfe

Original-Content von: Deutsche Umwelthilfe e.V., übermittelt durch news aktuell

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